3 Gründe, warum Somatic Experiencing nach Trauma hilfreich ist

Somatic Experiencing ist eine körperorientierte Traumatherapie. Wie diese Bezeichnung schon vermuten läßt, spielen hier Körper und Körperempfindungen eine zentrale Rolle. Warum? Weil ein Trauma im Körper passiert. Damit ist nicht die physische Verletzung, z. B. nach einem Unfall oder einer Operation gemeint. Gemeint ist die Veränderung, die eine traumatische Erfahrung in deinem Nervensystem auslöst und die dazu führt, dass du dich innerlich nicht mehr sicher fühlst.

Leider ist es nicht so, dass die Zeit alle Wunden heilt. Im Gegenteil, der traumatische Stress bleibt im Nervensystem gebunden, du bist dadurch schneller beunruhigt und anfälliger für erneute Überwältigung. Langfristig entwickeln sich häufig körperliche und / oder seelische Symptome.

In meine Praxis kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen Beschwerden, vielen gemeinsam ist eine darunter liegende, hohe innere Spannung. Symptome sind z. B. chronische Anspannung oder chronische Schmerzen, Fibromyalgie, chronische Erschöpfung, Migräne, Probleme mit der Atmung nach einem Sturz, Schulterschmerz nach einem Unfall, obwohl die Schulter gar nicht verletzt war, ein „dunkles Loch“ an einer Stelle im Körper, den „Aus-Knopf“ nicht finden können u. v. m.

Mit Somatic Experiencing unterstütze ich mein KlientInnen dabei, neue Erfahrungen zu machen von körperlich erlebter Sicherheit, damit das Nervensystem wieder in einen ruhigen, regulierten Zustand zurückfinden kann.

1. Somatic Experiencing verhilft Dir zu neuen Erfahrungen von körperlich empfundener Sicherheit

Aber was genau bedeutet „körperlich empfundene Sicherheit“?

Du kennst sicher Redewendungen wie „mir hüpft das Herz vor Freude“ oder „mir klopft das Herz im Hals“ bei Aufregung. „Ich habe einen Kloß im Hals“ bei Trauer oder „einen Knoten im Magen“, wenn ich Angst verspüre. Vielleicht ist dir schon mal aufgefallen, dass du die Luft anhältst, wenn du sehr angespannt bist oder wie es sich anfühlt, wenn du sicher in dir selbst ruhst und „mit beiden Füßen im Leben stehst“.

Wenn dein Körper sich sicher fühlt kannst du wahrnehmen, dass der Herzschlag ruhig ist, dass der Atem langsam und tief fließen kann, dass sich Kiefer, Brust und Bauch frei anfühlen, dass du deinen Körper überhaupt spüren kannst und nicht nur im Kopf bist, dass du ein Gefühl von Erdung erlebst.

Deine Gedanken und Gefühle gehen immer mit einer Körperempfindung einher. Das ist etwas, das in unserer sehr verkopften Gesellschaft oft zu wenig Beachtung findet. Dabei haben wir alle schon oft erfahren, dass es leider nur wenig hilft, wenn unser Verstand weiß, dass gerade kein Grund besteht aufgeregt zu sein. Dein Körper lässt sich von Gedanken nicht überzeugen, er spricht eine andere Sprache. Er spricht die Sprache der Körperempfindungen.

Als Therapeutin achte ich darauf, die Momente bewusst zu machen, die gut oder zumindest weniger schwer sind. Geht es um die Verarbeitung eines Unfalls frage ich beispielsweise „Welches war der erste Moment nach dem Ereignis, der für dich ein bisschen erleichternd war?“ Das kann der Moment sein, als ein/e mitfühlende/r HelferIn deine Hand gehalten hat oder als der Krankenwagen kam.

Dann bitte ich dich wahrzunehmen, was du jetzt gerade im Körper erlebst, wenn du dich an diesen Moment erinnert. Vielleicht bemerkst du, dass der Druck in der Brust weniger unangenehm ist oder dass du leichter atmen kannst. Eine angenehme Körperempfindung in Verbindung mit der Erinnerung an ein bedrohliches Ereignist bewusst wahrnehmen und einen Augenblick da sein lassen ist ein Schritt hin zu mehr Beruhigung und Sicherheit im Nervensystem.

Geht es dir darum, selbstbestimmter zu leben, könnte ich fragen ich „Bei welcher Gelegenheit hast du dich selbstbestimmt erlebt?“ Fällt dir gar keine Situation ein, kann ich dich bitten dir vorzustellen, wie das wäre und dann zu spüren, wie sich diese Erinnerung oder Vorstellung im Körper anfühlt. Peter Levine spricht davon, kleine Inseln der Sicherheit zu schaffen, die sich im Laufe der Therapie zu größeren Inseln verbinden können.

Traumatische Ereignisse haben oft zur Folge, dass du deinen Körper kaum oder gar nicht mehr wahrnehmen kannst. Den Körper nicht spüren zu müssen hat geholfen zu überleben. Dann könnte man allgemeiner fragen „Ist es jetzt eher angenehm oder unangenehm?“ oder „Woran merkest du, dass es angenehm ist?“ oder „Wie ist der Herzschlag jetzt?“ Dadurch kannst du langsam wieder in Kontakt mit dem eigenen Körper kommen und ihn als Freund erleben.

2. Somatic Experiencing hilft Dir unangenehme Körperempfindungen erträglicher zu machen

Um eine traumatische Erfahrung zu verarbeiten ist es natürlich auch nötig, sich dem Schmerzvollen zuwenden. Es ist dabei jedoch nicht nötig, das ganze Ereignis genau zu erzählen. Dabei bestünde die Gefahr, die gleiche innere Not ein weiteres Mal erleben zu müssen und das käme einer Retraumatisierung gleich. Wenn wir uns dem Schmerz zuwenden, dann machen wir das sehr kleinschrittig. Es ist ein bisschen so, als würden wir ganz vorsichtig erstmal nur den großen Zeh in das kalte Wasser stecken.

Erstmal nur den großen Zeh ins kalte Wasser stecken!

Geht es beispielsweise darum, mit Symptomen zu arbeiten, die sich nach einem Verkehrsunfall entwickelt haben, dann bleiben wir erstmal bei dem Moment, in dem du losgefahren bist. Heute weißt du ja, dass danach der Unfall geschah. Daher wird es schon an diesem Punkt eine Reaktion deines Körpers in Form einer leichten Aktivierung geben. Erst wenn diese Erinnerung weniger aktivierend ist, gehen wir einen Schritt weiter. Sofort mit dem Unfall selber zu arbeiten wäre zu viel und könnte zu einer erneuten Überwältigung führen.

3. Somatic Experiencing unterstützt dich, im Körper gebundene Stressenergie zu entladen

Vielleicht hast du in einem Tiervideo schon mal gesehen, dass eine Antilope, die den Angriff eines Geparden überlebt, sekundenlang zittert und dann wegläuft als sei nichts geschehen. Oder dein Hund fühlt sich bei deinen Erziehungsversuchen gestresst und gähnt. Dein Körper verfügt über viele Möglichkeiten, Stress über körperliche Reaktionen abzubauen.

In einer Sitzung arbeiten wir mit einem schwierigen Aspekt der Erfahrung und geben den Körperempfindungen, die sich dabei zeigen Raum. Je nach Kapazität kann das erstmal nur ein ganz kleiner Moment sein. Dadurch wird eine Entladung von gebundener traumatischer Energie eingeladen. Äußern kann sich das durch einen spontanen tiefen Atemzug, gähnen, schwitzen, vibrieren oder zittern. Es kann auch sein, dass du einen Bewegungsimpuls verspürst, dem wir dann nachgehen, z. B. etwas wegschieben wollen.

Deine Möglichkeit mit den schwierigen Erinnerungen zu sein wird dadurch wachsen und das kann sehr heilsam sein. Im bewussten Kontakt damit kann dein Körper lernen, dass dieses Ereignis der Vergangenheit angehört und es an der entsprechenden Stelle im Gehirn ablegen.

In diesem Blog habe ich mich darauf konzentriert zu vermitteln, wie wichtig Körperempfindungen und die Entladung von traumatischem Stress für deinen Heilungsweg sind.

Wenn du das Thema spannend findest und dich fragst, wie ich diesen Weg zur Traumatherapeutin gegangen bin, kannst du hier mehr über meine Reise erfahren.

4 Kommentare

  1. Ich habe mich viel mit dem Thema Trauma befasst und bin großer Fan von Methoden, bei denen der Körper mit einbezogen wird. Somatic Experiencing finde ich großartig. Wer nicht an die Körper-Geist-Verbindung glaubt, erlebt sie spätestens dort 😉

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