Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zur Somatic Experiencing Traumatherapeutin

Einleitung: Vom Kindheitstraum Urwaldärztin à la Albert Schweizer zur Rolferin und körperorientierten Traumatherapeutin (Somatic Experiencing) – dieses Ziel habe ich nicht bewusst verfolgt, es hat sich ganz selbstverständlich entwickelt. Wenn ich heute diesen Blog zum Anlass nehme zurückzuschauen, bin ich selber erstaunt, wieviele Begegnungen und Stationen doch zusammengekommen sind. Erst habe ich gedacht, da gibt es ja gar nicht viel zu erzählen. Am besten gefällt mir, dass es ja noch weitergeht.

  1. Anfang der 70er: Berufswunsch: Urwaldärztin Kennst Du Albert Schweizer? Ein Film in der Grundschule über ihn und sein Krankenhaus in Lambarene, den Namen weiß ich heute noch, hat mich so beeindruckt, dass danach für einige Jahre mein Berufswunsch unumstößlich feststand: Urwaldärztin
  2. 1981: Abitur: „Irgendwas mit Sprachen“ Aus der Urwaldärztin wurde im Laufe der Jahre „irgendwas mit Sprachen“ und beruflich ging es damit für die nächsten Jahre in eine kaufmännische Richtung. Trotz netter Kolleg:innen hat mich die Arbeit als solche nie richtig begeistert und ich hatte alle möglichen Ideen, was ich stattdessen wohl machen könnte. Dankbar bin ich für einen 5monatigen Aufenthalt in Mailand. Italienisch lernen, italienisches Flair, Ausflüge ans Meer…. Wenn ich ehrlich bin, war es mehr Urlaub als Arbeit!
  3. 1991 Merhaba Istanbul Eine tolle Zeit war unser 3jähriger Aufenthalt in Istanbul. Unsere Wohnung hatte eine wunderbare Terrasse mit einem fantastischen Blick über den Bosporus. Verkehrslärm gab es nicht, nur das Hupen von Schiffen. Ich hätte stundenlang dort sitzen können.
    Sehr ans Herz gewachsen ist mir unser erster Hausmeister. Der Besuch mit ihm beim Hauptpostamt am Hafen, um ein Weihnachtspäckchen meiner Eltern abzuholen war denkwürdig. Leider hatten die Dominosteine schon gelitten und waren nicht mehr so wirklich genießbar.
    Nach unserer Rückkehr musste ich mich erst wieder an den deutschen Autoverkehr gewöhnen. In Istanbul war es eher so: Wer vorne ist hat recht und wenn es voll ist, machen wir halt eine zusätzliche Spur auf. Das funktioniert ziemlich gut.
    Und das Beste zum Schluss: Wir sind zu zweit gegangen und (fast) zu viert zurückgekommen!
Blick von unserer Terrasse auf den Bosporus
  1. 1994 – 2004 Familienzeit Rückkehr nach Deutschland und schöne Jahre mit der Familie. Irgendwann waren die Kinder aus dem Gröbsten raus, was nun? Was ganz Neues beginnen? Ab und zu fielen mir die Urwaldärztin und mein Interesse an Medizin wieder ein, aber ich hatte noch keine rechte Vorstellung, was genau es denn sein könnte.
  2. 2004 – 2006 Wellnesstrainer beim TÜV Rheinland – Ernährung, Bewegung, Entspannung Als eine Freundin fragte, ob ich nicht mitkommen wolle, habe ich zugesagt, weil mich die Inhalte persönlich interessierten. Heute ist klar, dass das tatsächlich der erste Schritt in eine neue berufliche Zukunft war – einschließlich verlassen der Komfortzone bei diversen Lehrproben – damals hab ich das natürlich nicht so gesehen.
  3. 2006 – 2010 mobile Massage und Fitgymnastik Gymnastikurse im Turnverein und mobile Massagen in unserem lokalen, innvovativen Rewe-Markt waren die ersten kleinen beruflichen Stationen. Prävention und Rückengesundheit interessierten mich damals besonders. Von Rückengymnastik, Körperhaltung und Aufrichtung ist es nicht so weit zum Rolfing, einer ganzheitlichen Faszienarbeit zur Verbesserung von Körperhaltung, Bewegung und Atmung.
  4. 2007 – 2010 Ausbildung zur Rolferin bei der European Rolfing Association Diese internationale Ausbildung mit Kolleg:innen und Lehrer:innen aus ganz Europa war ein großes Abenteuer und hat mir eine neue Welt eröffnet. Alleine die monatlichen Reisen nach München waren schon sehr aufregend. Ebenso inspiriert haben mich Theorie und Praxis des Rolfing.
    Im ersten Anatomie-Modul bei Dr. Robert Schleip, dem heutigen Faszienpabst, mussten wir aus dem Gedächtnis Wirbelkörper aus Knetgummi formen – gar nicht so einfach.
    Ein Highlight gleich zu Beginn der Ausbildung war ein parallel stattfindender Vortrag des Psychiaters und Neurowissenschaftlers Stephen Porges. Porges‘ Forschungen und seine Erkenntnisse über unser Nervensystem und seine ständige Suche nach Sicherheit, die er in der Polyvagaltheorie formuliert, spielen heute zum Verständnis von Trauma eine große Rolle. Damals wusste ich davon noch nichts, aber sein Vortrag hat mich nachdrücklich beeindruckt. So ein freundlicher und kompetenter Mann.
  1. Seit 2010 Selbstständigkeit als Rolferin Der holistische Ansatz von Rolfing, Körperhaltung, Bewegungsmuster und Atmung zu verbessern, hat es mir sofort angetan. Unsere „äußere“ Körperhaltung und unsere innere Haltung gehen Hand in Hand. Bist du eher ängstlich, ist auch deine Körperhaltung eine zurückgezogene. Rolfing bietet dir die Möglichkeit, über eine Veränderung deiner Körperhaltung zu spüren und zu erfahren, wie es sich anfühlt, aufrechter und präsenter zu sein. Und dann kannst du dich fragen, wenn mein Körper sich so anfühlt, welche Gedanken und Gefühle habe ich dann?
    Körperhaltung, einseitige Bewegungen und Schonhaltungen verursachen auf längere Sicht häufig Schmerzen. Rolfing habe ich hier als eine wirksame Methode erlebt.
  2. 2012 Eigene Praxisräume gefunden Für die Eröffnung planten wir einen Tag der offenen Tür und Vorträge. Vortrag??? Der Gedanke hat mir ziemliche Bauchschmerzen gemacht. Tatkräftig unterstützt in der Vorbereitung hat mich Diplom Sprecherzieherin Birthe Meinert. Danke liebe Birthe, es hat alles super geklappt und weitere Vorträge folgten! Meinem Hund haben einige der Sprechübungen allerdings weniger gefallen, in seinen Ohren klangen sie wohl sehr schräg.
  1. 2013 meine Strategie finden: Was ist meine Vision? Wer ist meine Zielgruppe? Wo ist der Engpass? Der regelmäßige Austausch mit Willi Berns, Berater für systemische Strategieentwicklung, und den KollegInnen im Strategiekreis hat Spaß gemacht und die Frage nach dem „unverschämten Ziel“ inspiriert mich weiterhin, mal „groß“ zu denken.
  2. 2016 – 2018 Ausbildung in der körperorientierten Traumatherapie Somatic Experiencing (SE). Das war nochmal ein Schritt in eine ganz neue Richtung, die ich als sehr erfüllend erlebe. Eine traumatische Erfahrung verändert nachhaltig unser Nervensystem und damit unser ganzes Leben, aber es ist möglich, ein Trauma zu überwinden. Ein überwältigendes Ereignis kann z. B. einen Verkehrsunfall sein, ein Sturz, ein Überfall oder eine medizinische Untersuchung, um nur einige zu nennen und vielen Menschen ist gar nicht klar, dass ihre Symptome auf eine traumatische Stressreaktion im autonomen Nervensystem zurückzuführen sein könnnten. Diesmal fand die Ausbildung in Köln statt bei der UTA Akademie, da hatte ich es nicht so weit.
  3. 2018 bestandene Heilpraktikerprüfung vor der IHK Heilbronn. Mich parallel zur Ausbildung in Somatic Experiencing auf die Heilpraktikerprüfung vorzubereiten war ein ziemlicher Kraftakt. Ich bin heute noch froh, dass ich die Prüfung im 1. Anlauf geschafft habe.
Prüfungsvorbereitungen
  1. 2019: Logo-Werkstatt in Innsbruck bei Lisa Schamschulla. Einfach nur Spaß gemacht hat die Entwicklung meines Logos in der Logo-Werkstatt mit Lisa. Über die heiligen Geometrie und die Bedeutung von Zahlen wusste ich vorher nicht sehr viel, aber Zahlen stecken tatsächlich in vielen bekannten Logos. Die 1, der Uroboros steckt z. B. im Logo von Firefox, die 2, Vesica piscis, im Logo von Chanel, Gucci, Mastercard. Was Lisa zu erzählen hatte war sehr spannend und die Logo-Werkstatt eine inspirierende Erfahrung.

    Bei der Gelegenheit eine liebe Freundin aus Istanbul nach vielen Jahren wiederzusehen, war ein persönliches Highlight dieser Reise nach Innsbruck.
Mein Logo basiert auf dem Würfel des Metatron
  1. 2019 Erste Hilfe für die Seele: Fortbildung in EmotionAid Erste Hilfe kennt ihr ja alle vom Kurs für den Führerschein. Aber kennt ihr auch Erste Hilfe für die Seele? Die ist mindestens ebenso wichtig, damit wir uns bei großem Stress wieder soweit beruhigen können, dass wir handlungsfähig bleiben. EmotionAid ist eine pragmatische, 5-schrittige Methode, leicht zu erlernen und in der heutigen Zeit wichtiger denn je. Zukünftig möchte ich gerne Schulungen für Gruppen oder Einzelpersonen anbieten.
  2. Heute: Mein Schwerpunkt hat sich deutlich hin zur Traumatherapie verlagert und das hat auch meinen Rolfing Ansatz verändert. Manchmal steht die „Neuverhandlung“ eines Unfalls im Vordergrund, manchmal langsame, ausstreichende Berührungen zur Beruhigung des Nervensystems. Ein Trauma passiert im Körper und daher ist der Zugang über den Körper ein wichtiger und hilfreicher Weg.

    Die nächste Fortbildung steht schon vor der Tür. Nächste Woche beginnt das Training „Integrale Somatische Psychologie“ bei der UTA Akademie. Hier steht die Verkörperung von Emotionen im Vordergrund und ich freue mich schon sehr darauf.

6 Kommentare

  1. Hallo Stefanie,
    danke, dass du uns mitgenommen hast auf diese Reise! Von Rolfing und RmotionAid habe ich jeute das erste Mal gflesen, es lohnt sich bestimmt, dazu mal Separat was zu verbloggen!
    LG, Djuke

    1. Liebe Djuke,
      ja, so richtig bekannt ist beides noch nicht, obwohl die Bekanntheit von Somatic Experiencing in letzter Zeit deutlich zugenommen hat. Der nächste Expertenartikel ist schon in der Planung.
      Liebe Grüße
      Stefanie

  2. Wie spannend ist das denn? Und dann auch noch gleich bei mir um die Ecke (wenn wir zurück kommen, sind wir wieder in Refrath ?) Ich freu mich darauf, mehr von Dir zu hören/lesen
    Liebe Grüße,
    Nico

    1. Ach, das ist ja wirklich nicht weit! Vielleicht können wir uns ja gelegentlich über das Quilten austauschen. Ich habe auch das Improv Quilten für mich entdeckt!
      Schönen Urlaub und viele Grüße
      Stefanie

  3. Liebe Stefanie, danke für den wunderbaren Einblick in deinen Weg! Ich finde ihn super spannend und bin selbst immer noch am Überlegen wo in Zukunft die Reise für mich weiter gehen soll – Wellness, Trauma oder ob ich beim Thema Beckenboden bleibe. Und ob ich als Trainerin im Quereinstieg doch noch irgendwann therapeutisch arbeiten möchte. Auf jeden Fall gibt mir dein Weg wieder wunderbare Ideen. Danke dafür.

    1. Liebe Regina, danke für Deine nette Nachricht. Es gibt ja so viele Möglichkeiten, dass man oft die Qual der Wahl hat. Ich freue mich, wenn mein Blog Dich auf neue Ideen gebraucht hat. Wenn Du magst, schreib doch mal, wo es Dich hinzieht.
      Liebe Grüße
      Stefanie

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